Schlechter Schlaf erhöht die Schmerzempfindlichkeit

Schlechter Schlaf erhöht die Schmerzempfindlichkeit

Kann zu wenig Schlaf zu stärkeren Schmerzen führen?

Schmerzen können den Schlaf stark beeinträchtigen und Menschen lange wach halten. Aber wie wirkt es sich auf gefühlte Schmerzen aus, wenn Menschen häufig schlecht schlafen? Neuronale Störungen im Gehirn wurden jetzt bei Schlafentzug festgestellt. Solche Störungen verstärken und verlängern die Schmerzen durch Verletzungen und Krankheiten.

Die Wissenschaftler der Universität Berkeley stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass schlechter Schlaf sich auf erlittene Schmerzen auswirkt und diese sogar verstärkt oder die Dauer verlängert. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Journal of Neuroscience“.

Schlaf und seine Auswirkungen auf Schmerzen

Die Wissenschaftler haben ihre Hypothese bewiesen, dass Schlafentzug die Schmerzempfindlichkeit erhöhen kann, was sich durch eine beschleunigte Reaktion im sogenannten somatosensorischen Kortex des Gehirns zeigte. Überraschend war zudem die beeinträchtigte Aktivität im Nucleus Accumbens, einer Region des Belohnungskreislaufs des Gehirns. Diese Region erhöht neben anderen Funktionen auch den Dopamin-Spiegel, um so auftretende Schmerzen zu lindern. „Schlafstörungen verstärken nicht nur die schmerzempfindenden Regionen im Gehirn, sondern blockieren auch die natürlichen Analgesiezentren“, so Professor Matthew Walker von der Universität Berkeley in einer Pressemitteilung. Wenn schlechter Schlaf die Schmerzempfindlichkeit verstärkt, muss Schlaf viel stärker bei der Behandlung von Patienten berücksichtigt werden, insbesondere in Krankenstationen, fordert der Experte weiter.

Durch mangelnden Schlaf werden Schmerzsignale möglicherweise falsch bewertet

Eine weitere wichtige Hirnregion, die im Gehirn von schlaflosen Menschen negativ beeinflusst wurde, war die Insula, die Schmerzsignale auswertet und sie in einen Kontext setzt, um den Körper auf die Reaktion vorzubereiten. Dabei handelt es sich um ein kritisches neuronales System, welches die Schmerzsignale bewertet und kategorisiert und es den körpereigenen natürlichen Schmerzmitteln ermöglicht, Schmerzen zu lindern, erläutern die Wissenschaftler.

Veränderungen des Schlafes hatten große Auswirkungen

Um die Verbindung zwischen Schlaf und Schmerz in verbreiteten Alltagsszenarien zu testen, befragten die Forschenden landesweit mehr als 230 Erwachsene jeden Alters. Die Befragten wurden gebeten, ihre nächtlichen Schlafstunden sowie ihre täglichen Schmerzzustände über einige Tage anzugeben. Die Ergebnisse zeigten, dass selbst geringfügige Verschiebungen in den Schlaf- und Weckmustern mit Veränderungen der Schmerzempfindlichkeit korrelierten.

Zunächst wurde die Grundschmerzschwelle der Probanden ermittelt

Für ihr Studie rekrutierten die Mediziner 25 gesunde junge Erwachsene, die nicht an Schlaf- oder Schmerzstörungen litten. Da verschiedene Menschen unterschiedliche Schmerzschwellen haben, zeichneten die Forscher zunächst die Grundschmerzschwelle aller Studienteilnehmenden nach einer vollen Nacht des Schlafes auf. Dafür wurde unter dem linken Bein der Probanden auftretende Hitze schrittweise immer weiter erhöht, während die Gehirnaktivität durch einem funktionellen Magnetic Resonance Imaging-Scanner aufgezeichnet wurde. Die Teilnehmenden bewerteten den auftretenden Schmerz durch die Hitze auf einer Skala von eins bis zehn und berichteten im Durchschnitt über thermische Beschwerden bei etwa 111 Grad Fahrenheit (etwa 44 Grad Celsius).

Zu wenig Schlaf erhöhte die Schmerzempfindlichkeit

Nachdem die Basisschmerzempfindlichkeit aller Teilnehmenden nach einer langen Nachtruhe festgestellt worden war, konnten die Experten vergleichen, wie sich diese Schwelle veränderte, indem sie das Verfahren nach einer schlaflosen Nacht bei den Patienten noch einmal wiederholten. So fanden sie heraus, dass die große Mehrheit der Personen, die unter Schlafmangel litten, schon bei etwa 107 Grad Fahrenheit Schmerzen empfand. Die gesamte Gruppe fühlte sich schon bei niedrigerer Hitze unwohl, was zeigt, dass ihre eigene Schmerzempfindlichkeit nach unzureichendem Schlaf zugenommen hatte, sagen die Autoren. Das Gehirn bewertet die Schmerzen also ohne ausreichenden Schlaf anders. In der Zwischenzeit zeigte die Bildgebung des Gehirns nach einer schlaflosen Nacht deutliche Aktivitätssteigerungen im somatosensorischen Kortex und eine Deaktivierung im Nucleus accumbens und im insularen Kortex, was Funktionsstörungen in den Nervenmechanismen signalisierte, welche die physiologischen Reaktionen auf schmerzhafte Reize steuern, erklären die Mediziner.

Schlaf ist ein natürliches Analgetikum

Schlaf ist sozusagen ein natürliches Analgetikum, welches helfen kann, Schmerzen zu lindern, sagt Professor Walker. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Patientenversorgung deutlich verbessert würde und die Krankenhausbetten früher geräumt würden, wenn der ununterbrochene Schlaf als fester Bestandteil des Gesundheitsmanagements angesehen würde“, fügt der Experte hinzu. (as)

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