„Studie“: 7500 Apotheken weniger wegen des E-Rezeptes

„Studie“: 7500 Apotheken weniger wegen des E-Rezeptes

Das E-Rezept kommt, und zwar bald: In diesem Jahr laufen dieersten Tests, schon im kommenden Jahr könnte eine flächendeckende Einführungfolgen. Aber welche Auswirkungen haben die digitalen Verordnungen auf denApothekenmarkt? Die Marketingagentur Dr.Kaske ist dieser Frage nun in einerStudie nachgegangen und behauptet: Bis 2030 könnte die Apothekenzahl auf 11.871sinken. Wie genau das Unternehmen diese Zahl berechnet hat, ist unklar. Klarist nur: Dr. Kaske arbeitet intensiv mit Arzneimittel-Versandhändlern zusammen.

Mit dem aktuellen Entwurf zum Apotheken-Stärkungsgesetz willdas Bundesgesundheitsministerium sicherstellen, dass die Einführung des E-Rezepteszu keinen Verwerfungen im Apothekenmarkt führt. Das „Makeln“, also das Handelnmit den digitalen Verordnungen, soll verboten werden, außerdem soll klargestelltwerden, dass weder Krankenkassen noch Ärzte die E-Verordnungen direkt an Versandhändleroder Apotheken weiterleiten dürfen.

Trotzdem verbinden gerade die Versandhändler großeHoffnungen mit dem E-Rezept. Insbesondere Zur Rose-CEO Walter Oberhänslitrommelt in den Medien für eine rasche Umsetzung und prophezeit, dass DocMorris biszu 10 Prozent des Rx-Marktes erobern kann – durch die digitalen Rezepte. Aberauch der Bundesverband Deutscher Versandapotheker (BVDVA) ist aktiv in derSache: Schon seit Jahren tituliert der Verband das E-Rezept als „Königsanwendung“.Erst kürzlich forderte BVDVA-Chef Christian Buse auf einem Digital-Kongresseine schnelle Einführung des E-Rezeptes.

Dass es nach dieser Einführung zu erheblichenMarktverschiebungen kommen könnte, will nun die PR- und Marketingagentur Dr.Kaske mit ihrer „E-Rezept-Studie“ 2019 beweisen. Die Agentur erachtet es als „wahrscheinlich“,dass die Apothekenzahl durch das E-Rezept bis 2030 auf 11.871 zurückgeht, wasin etwa einen Rückgang von 4 Prozent pro Jahr bedeuten würde. Die Auswirkungenauf den Apothekenmarkt hat Dr. Kaske in drei Szenarien ausgerechnet:

Die Dr. Kaske-Szenarien

Szenario 1: (20 Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit) „DasE-Rezept wird wider Erwarten doch nicht im Frühjahr 2020 eingeführt undPatienten müssen weiterhin ein Papierrezept einreichen. Grund dafür sind dieanhaltenden starken Bedenken bezüglich des Datenschutzes. Die verzögerteEinführung wird begleitet von vielen Schutzmechanismen für die Apotheke vor Ort.Folgerezepte dürfen weiterhin nur vom Arzt ausgestellt werden.“

Szenario 2: (45 Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit) „DasE-Rezept wird im Frühjahr 2020 eingeführt. Nach einigen Anfangsschwierigkeitenwird es von Ärzten und Patienten zunehmend genutzt. Online-Apotheken erlebendurch die Verabschiedung des Gesetzes zur Folgerezept-Ausstellung durch Apotheker einen zusätzlichen Aufschwung.Zudem setzen sie auf Next-Day-Delivery und in Ballungszentren Same-Day-Delivery.“

Szenario 3: (30 Prozent Eintrittswahrscheinlichkeit) „DasE-Rezept wird wie geplant 2020 eingeführt. Ärzte, Patienten und Apothekerstellen sich mit technischen Erweiterungen auf die Digitalisierung des Rezeptesein. Online-Apotheken werden wegen des Convenience-Faktors zunehmend zur erstenWahl, auch dank Same-Day-Delivery und bequemer 1-Klick-Bestellung. In den nächsten10 Jahren schließen jeden Tag durchschnittlich zwei stationäre Apotheken inDeutschland.“

Wie hat Dr. Kaske gerechnet?

Im dazugehörigen Schaubild fügt die Agentur hinzu, dass dieSzenarien stark davon abhängen würden, wie die regulatorischenWeichenstellungen verlaufen würden. Außerdem spielten auch der „tatsächlicheConvenience-Faktor“ und das „Patientenvertrauen“ in den digitalen Bestellwegeine Rolle. Tatsächlich bleibt es aber völlig unklar, auf welchem Rechenweg dieAgenturmitarbeiter zu diesen Zahlen kommen. Auf Nachfrage von DAZ.onlineerklärte eine Sprecherin von Dr. Kaske: „Die Prognose zu den Apothekenzahlenberuht im Kern auf der Annahme zumbenötigten OTC- und Rx-Mindestumsatz pro Apotheke, der Prognose zur Entwicklungdes Online-Rx- und OTC-Umsatzes mit korrespondierender Abnahme des stationärenUmsatzes auf Basis unserer Verbraucher-Umfrage, der historischen Entwicklungder Apothekenanzahl (negative Wachstumsrate der letzten Jahre) sowie der historischenEntwicklung des Apothekenmarkts in Ländern mit E-Rezept.“

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