Wer zum Facharzt geht, wartet länger

Wer zum Facharzt geht, wartet länger

Wer zum Arzt geht, muss sich in Geduld üben. Das gilt vor allem beim Facharzt: Dort müssen Patienten häufiger mehr als drei Wochen auf einen Termin warten. Hausärzte hingegen ermöglichen öfter spontane Arztbesuche. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Versichertenbefragung im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Für die Erhebung hatte die Forschungsgruppe Wahlen 6110 Bürger ab 18 Jahren aus ganz Deutschland zu ihren Arztbesuchen befragt.

Demnach gingen 18 Prozent der Befragten in den letzten zwölf Monaten zum Hausarzt, 22 Prozent dagegen zum Facharzt. „Die Zahl der Patienten, die zum Facharzt gehen, nimmt zu“, sagt Uwe Kraffel vom Deutschen Facharztverband in Berlin. Den Studienergebnissen zufolge gehen jüngere Patienten bis 40 Jahre tendenziell häufiger zu einem Spezialisten, während Menschen ab 60 Jahren eher den Hausarzt aufsuchen.

Diese Nachfrage spiegelt sich in den Wartezeiten: Diese unterscheiden sich je nachdem, ob die Patienten den Hausarzt oder einen Spezialisten aufsuchen. Den Studienergebnissen zufolge erhielten mehr als ein Drittel der Befragten Patienten sofort einen Termin beim Hausarzt.

Lange Wartezeiten beim Frauenarzt

Deutliche Unterschiede bei den Wartezeiten stellten die Autoren der Studie auch zwischen den Facharztgruppen fest. Am meisten müssen sich Patientinnen beim Frauenarzt gedulden. 73 Prozent gaben an, mehr als drei Tage auf einen Termin zu warten. Der Grund: Der Facharzt biete Verfahren wie die Schwangerschaftsvorsorge an, die es beim Hausarzt nicht gebe. Zudem hätten junge Frauen heute ein größeres Interesse an Aufklärung, so der Experte.

Auf Platz zwei der längsten Wartezeiten liegen Herzspezialisten, auf Platz drei folgen Psychiater. Schlusslicht der Fachärzte mit langen Wartezeiten ist der Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dort müssen sich knapp die Hälfte aller Befragten länger als drei Tage für einen Termin gedulden.

Auch die Art der Versicherung spielt eine Rolle. Mehr als drei Wochen mussten sich 33 Prozent der gesetzlich Versicherten für einen Termin gedulden. Bei den Privatpatienten waren es nur 18 Prozent. Vergleicht man die Zahlen mit den Daten von 2008 zeigt sich allerdings, dass auch Privatpatienten nun häufiger auf einen Termin warten müssen. „Arztzeit wird immer knapper“, erklärt KBV-Chef Andreas Gassen.

Wichtiger als die Art der Krankenversicherung ist allerdings das Anliegen des Patienten. „Auf eine routinemäßige Vorsorgeuntersuchung muss ein Patient im Zweifel tatsächlich länger warten, als wenn er oder sie eine Grippe hat“, sagt Gassen. Ginge es um ein „aktuelles Problem“, beispielsweise einen Norovirus, hat jeder zweite (53 Prozent) keine Wartezeit. Für Vorsorge- oder Impftermine müssen fast zwei Drittel der Befragten mehr als drei Tage auf einen Termin warten.

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