ABDA-Hilfsmittelexperte: Diktat der GKV muss ein Ende haben!

ABDA-Hilfsmittelexperte: Diktat der GKV muss ein Ende haben!

Die Hilfsmittelversorgung bringt wenig, kostet aber viel Zeit und Nerven. Kai Kallbach, bei der ABDA für das Thema Hilfsmittel zuständig, brachte zur Mitgliederversammlung des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern ein paar klare Forderungen mit: faire Preise, einheitliche Verträge und das Aus für die Präqualifizierung sind nur einige davon.

Die Hilfsmittelversorgung ist ein „emotional belastetes Thema“. So formulierte es der ABDA-Hilfsmittelexperte Kai Kallbach am vergangenen Mittwoch in Rostock-Warnemünde bei der Mitgliederversammlung des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern. Auch an dem Juristen, der im ABDA-Geschäftsbereich Ökonomie arbeitet, ist nicht vorbeigegangen, wie sehr die Apotheken mit Präqualifizierung und Co. zu kämpfen haben.

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Trotz aller Bemühungen des Gesetzgebers, die Verhältnisse im Hilfsmittelbereich wieder geradezurücken, forciere die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) einen einseitigen Preiswettbewerb – Qualitätskriterien blieben zumeist unberücksichtigt. Als Beispiel nannte Kallbach aufsaugende Inkontinenzprodukte, bei denen die Patientinnen und Patienten die Auswirkungen des Preisdumpings unmittelbar zu spüren bekommen. Und auch für die Apotheken sei es inzwischen kaum noch machbar, wirtschaftlich zu versorgen. In Zeiten von Inflation und Kassenabschlag stießen viele Betriebe an ihre Grenzen. „Wir haben nichts mehr zu verschenken“, sagte der ABDA-Mann. „Auch Gesundheitsprofis müssen Geld verdienen.“

Kein Mitspracherecht für Leistungserbringer

Doch leider gebe es bei Richtlinien und Empfehlungen im Hilfsmittelbereich kein Mitspracherecht für die Leistungserbringer. Die ABDA habe zum Beispiel bei Änderungen der Hilfsmittelrichtlinie lediglich ein Stellungnahmerecht. „Und wir nehmen jedes Mal Stellung, das können Sie mir glauben!“ Das bringe jedoch meist herzlich wenig – für Kallbach ist das ein Unding. „Das Diktat der GKV muss ein Ende haben“, fordert er. Dafür setze sich die ABDA mit aller Macht ein.

Überdies, so Kallbach, brauche es realistische Preise für Hilfsmittel. Diese müssten sich mindestens aus dem Apothekeneinkaufspreis plus Aufschlag zusammensetzen – denn Apotheken seien zu klein, um von Rabatten seitens der Hersteller zu profitieren. Auch den Flickenteppich aus diversen Vereinbarungen mit einzelnen Krankenkassen hat der ABDA-Experte im Visier: Er wünscht sich für alle Hilfsmittel einen „Einheitsversorgungsvertrag“, der für alle Apotheken gleichermaßen gelten soll. Zudem gelte es, die Genehmigungserfordernisse empfindlich einzuschränken, um auch hier für Entlastung zu sorgen.

Präqualifizierung auf der Abschussliste

Auf Kallbachs Abschussliste steht übrigens auch die Präqualifizierung, für die er bezogen auf die Apotheken keine Daseinsberechtigung erkennen kann. Pharmazeutinnen und Pharmazeuten seien im Zuge ihrer Ausbildung bereits ausreichend qualifiziert, um eine ordnungsgemäße Versorgung mit Hilfsmitteln und Medizinprodukten zu gewährleisten. Zumindest aber die regelmäßigen Audits zwischen den Repräqualifizierungen müssten weg, betonte er. Dass die Betriebe zusätzlich zweimal innerhalb von fünf Jahren kontrolliert werden, sei „absurd“. Kallbach stellte klar: „Diese Überwachung muss abgeschafft werden, ohne Wenn und Aber!“

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