Briten lassen erste Corona-Pille zu: Wie sie wirkt und wann sie zu uns kommt

Briten lassen erste Corona-Pille zu: Wie sie wirkt und wann sie zu uns kommt

Großbritannien hat die erste Tablette gegen Covid-19 zugelassen. Das als Molnupiravir bekannte Mittel soll das Risiko von Klinikeinweisungen und Todesfällen erheblich reduzieren. FOCUS Online erklärt, was dabei im Körper passiert und wann der Hersteller mit einer Entscheidung über eine Zulassung auch in der EU rechnet.

Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat erstmals eine Tablette zur Behandlung von Covid-19 zugelassen. Das antivirale Mittel Lagevrio – auch bekannt unter dem Namen Molnupiravir – sei sicher und effektiv bei der Verminderung des Risikos von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Covid-Patienten mit milden und mittelschweren Verläufen, hieß es in einer Mitteilung der britischen Regierung am Donnerstag.

Gesundheitsminister Sajid Javid pries die Zulassung als "historischen Tag für unser Land" und "spielentscheidend" für Risikogruppen wie Menschen mit unterdrücktem Immunsystem.

Was macht Molnupiravir im Körper?

Das Präparat wurde ursprünglich in den USA als Grippe-Medikament entwickelt und blockiert nach Angaben der Forscher die Vermehrung des Virus in der Zelle. Das funktioniert, indem das Mittel als falscher Baustein in das Erbgut des Corona-Erregers eingebaut wird und dort Mutationen verursacht. Vermehrt es sich weiter, entstehen fehlerhafte RNA-Kopien. Die Folge: Sars-CoV-2 kann sich nicht mehr im Organismus ausbreiten.

Angeblich soll der Wirkstoff damit gegen unterschiedliche Typen von Coronaviren wirken. Das jedenfalls geht aus den zuletzt veröffentlichten Ergebnissen einer Zwischenanalyse des Pharma-Unternehmens MSD Sharp & Dohme hervor. Demnach soll das Risiko für eine Krankenhauseinweisung und einen tödlichen Verlauf bei Einnahme des Mittels um 50 Prozent reduziert worden sein. Das ergaben die Daten von bislang 775 Teilnehmern, welche teils Molnupiravir und teils ein Placebo erhalten hatten.

Klinischen Studien zufolge sei es am wirksamsten, wenn es so bald wie möglich nach einem positiven Test eingenommen werde und innerhalb von fünf Tagen nach Beginn von Symptomen. Wird es später gegeben, kann es Corona-Komplikationen in der Regel nicht mehr verhindern. Das ist auch bei den meisten anderen bereits gegen Covid getesteten Medikamenten der Fall gewesen.

Molnupiravir ist die erste Tablette gegen Covid-19

Was Molnupiravir doppelt interessant macht: Es scheint nicht nur die Virenproduktion im Körper zu hemmen, es ist auch das weltweit erste zugelassene Medikament gegen Corona, das als Tablette eingenommen werden kann.

Das bis dato einzige Corona-Präparat mit Zulassung – Remdesivir vom US-Konzern Gilead – wird als Infusion verabreicht. Damit ist für die Therapie zwingend ein Besuch beim Arzt oder in der Klinik erforderlich. Bei Molnupiravir wird dies obsolet.

Entsprechend positiv hatte sich Infektiologe Clemens Wendtner bereits im Oktober zu den veröffentlichten Studienergebnisse zu dem Mittel geäußert und von einem "Lichtblick" gesprochen. Nach vielen Frustrationen, die beim Test anderer Medikamente wie Chloroquin oder Ivermectin zu beobachten gewesen seien, handele es sich bei den vom Hersteller vorgelegten Ergebnissen um eine interessante Zwischenanalyse. "Die Kernaussage ist, dass Molnupiravir die Hospitalisierungsrate inklusive Mortalität bei Patienten in der Frühphase von Covid-19 nahezu halbiert. In Zahlen ausgedrückt entspricht dies einer Reduktion der Hospitalisierungsrate von 14,1 Prozent auf 7,3 Prozent." Allerdings hatte der Mediziner betont, dass es sich bisher lediglich um Zwischenergebnisse handele.

Wann rechnet der Hersteller mit einer Zulassung in der EU?

Jetzt liegen den britischen Behörden offenbar genug Daten vor, als dass sie einer Zulassung zugestimmt haben. Selbiges prüft seit Ende Oktober auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA). Und auch in den USA hat die FDA ein Zulassungsverfahren eingeleitet.

Im Gegensatz zu Großbritannien gibt es in beiden Fällen jedoch noch keine Entscheidung. Und sehr zeitnah erwartet der Hersteller offenbar auch kein Votum: "Mit einer Entscheidung der EMA rechnen wir im 1. Quartal 2022", teilte eine Sprecherin von MSD Sharp & Dohme auf Nachfrage von FOCUS Online mit.

Allerdings habe man in Erwartung einer Zulassung Molnupiravir bereits auf eigenes Risiko vorproduziert und rechne damit, bis Ende 2021 weltweit zehn Millionen Behandlungseinheiten bereitzustellen. "Weitere Einheiten werden für 2022 erwartet."

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