COVID-19-Medikament Remdesivir wirkt zehnfach potenter durch Hepatitis-C-Präparat – Heilpraxis

COVID-19-Medikament Remdesivir wirkt zehnfach potenter durch Hepatitis-C-Präparat – Heilpraxis

Wirksamkeit von Remdesivir durch Hepatitis-Medikamente verstärkt

Das Medikament Remdesivir war eine große Hoffnung in der frühen Phase der Pandemie. In frühen klinischen Studien erwies sich das Mittel zur Behandlung von COVID-19 als effektiv. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass die Wirkung in den meisten Fällen zu schwach war, um das Coronavirus SARS-CoV-2 zu stoppen. Ein amerikanisches Forschungsteam hat nun nachgewiesen, dass die Wirkung von Remdesivir zehnfach gesteigert werden kann, wenn es zusammen mit Hepatitis-C-Medikamenten verabreicht wird.

Eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Rensselaer Polytechnic Institute, des Mount Sinai Hospital sowie der University of Texas at Austin (USA) fand heraus, dass die Wirksamkeit von Remdesivir bis zu zehnfach potenter ist, wenn das Mittel zusammen mit einem der Hepatitis-C-Medikamente Simeprevir, Grazoprevir, Paritaprevir oder Vaniprevir angewendet wird. Zudem bestehe die Möglichkeit einer oralen Verabreichung, wodurch die Anwendung vereinfacht wird und die Wirkstoffkombination auch zu Hause eingenommen werden kann. Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich in dem renommierten Fachjournal „Cell Reports“ präsentiert.

Medikamentenkombination gegen COVID-19

Amerikanische Forschende eröffnen die Möglichkeit, eine antivirale Medikamentenkombination gegen COVID-19 für den Hausgebrauch anzubieten. Dabei steht das zuvor als nicht ausreichend wirksam klassifizierte Medikament Remdesivir im Zentrum der Forschung, dessen Wirksamkeit durch die Hepatitis-C-Medikamente Simeprevir, Grazoprevir, Paritaprevir oder Vaniprevir deutlich verstärkt werden kann.

Wie wirkt Remdesivir?

Das antivirale Mittel Remdesivir blockiert die Replikation von Viren, indem es in die virale Polymerase eingreift. Die Polymerase ist notwendig für die Vermehrung der Erbinformation und eine Voraussetzung für die Zellteilung. Remdesivir hemmt diesen Prozess bei Viren, indem die Inhaltsstoffe bei der Polymerase für Nucleotidbausteine gehalten werden, wodurch der Bau neuer RNA-Ketten sabotiert wird. Das Mittel zeigte sich jedoch nur in der Frühphase der Infektion wirksam, da der Effekt nicht dauerhaft ist.

Zudem muss es intravenös verabreicht werden, was seinen Einsatz auf Betroffene beschränkt, die bereits in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Bei dieser Gruppe ist COVID-19 oft zu weit fortgeschritten, um eine ausreichende Wirkung durch Remdesivir zu erzielen, da sich die Viren bereits im großen Maße vermehrt und im Körper verbreitet haben.

Erstes COVID-19-Medikament für den Hausgebrauch?

Die amerikanische Forschungsgruppe zeigt jetzt jedoch eine Möglichkeit für eine oral einnehmbare Medikamentenkombination, die auch im Hausgebrauch und somit zu einem früheren Zeitpunkt der Erkrankung eingesetzt werden könnte.

„Fast drei Millionen Menschen sind weltweit an COVID-19 gestorben“, betont Studienleiter Gaetano Montelione, Professor für Chemie und chemische Biologie am Rensselaer Polytechnic Institute. Ein oral verfügbares antivirales Mittel zu haben, wäre äußerst hilfreich im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie. Die entdeckte Medikamentenkombination ist „eine vielversprechende Synergie, die ein neues antivirales Mittel zur Bekämpfung von COVID-19 liefern könnte“, so der Professor.

Medikamente sind bereits in den USA zugelassen

Die im Labor entdeckte Synergie zwischen Remdesivir und den Hepatitis-C-Mitteln Simeprevir, Grazoprevir, Paritaprevir und Vaniprevir muss jedoch erst noch in einer klinischen Studie bestätigt werden. Dies sollte verhältnismäßig schnell gehen, da alle involvierten Medikamente bereits zugelassen sind.

Im Labor hemmte die Kombination 90 Prozent der Viren

Im Labor zeigte das Team bereits, dass Remdesivir in Gegenwart von zuvor verabreichten Simeprevir 90 Prozent aller Viren hemmte. Dabei sei nur ein Zehntel der Menge erforderlich, die nötig ist, wenn Remdesivir allein eingesetzt wird. Aufgrund der reduzierten Dosierung seien auch deutlich weniger Nebenwirkungen zu erwarten.

Remdesivir funktioniert der Studie zufolge besser mit Hepatitis-C-Medikamenten, da beide Arzneien auf unterschiedliche Weise die Virusreplikation hemmen. Wie die Forschenden zeigten, wirken die bereits zugelassenen Hepatitis-C-Wirkstoffe auch auf mindestens ein Enzym (die Protease Mpro), das zur Replikation von SARS-CoV-2 benötigt wird. Der synergistische Effekt der beiden Medikamente sei größer als die Summe der Einzelwirkungen.

Hepatitis-C-Viren und SARS-CoV-2 nutzen ähnliche Enzyme

Entdeckt hat das Team den Effekt bei der Suche nach möglichen Wirkstoffen gegen SARS-CoV-2 in bereits zugelassenen Medikamenten. Dabei fand die Arbeitsgruppe heraus, dass Hepatitis-C-Viren zum Teil ähnliche Enzyme zur Replikation verwenden, wie das Coronavirus SARS-CoV-2. Insgesamt untersuchten die Forschenden zehn Hepatitis-C-Medikamenten auf die Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2. Das Ergebnis: Sieben der Arzneien hemmten auch ein SARS-CoV-2-Enzym. Drei der Mittel unterdrückten sogar zusätzlich ein zweites Coronavirus-Enzym namens PLpro.

Große Hoffnung auf hochwirksames Medikament

„Die Identifizierung von PLpro als antivirales Target, das eine synergistische Wirkung mit Remdesivir hat, ist ein sehr wichtiges Ergebnis“, unterstreicht Kris White von der Mount Sinai School of Medicine. Die Forschenden hoffen, dass dieser Durchbruch zur Entwicklung einer hochwirksamen Medikamentenkombination führt, die auch das Auftreten von neuen Mutationen verhindern könnte. (vb)

Autoren- und Quelleninformationen

Quelle: Den ganzen Artikel lesen