COVID-19: Mehr verschleppte Herzinfarkte in der Pandemie – Heilpraxis

COVID-19: Mehr verschleppte Herzinfarkte in der Pandemie – Heilpraxis

Deutliche Zunahme von verschleppten Herzinfarkt festgestellt

Die Coronavirus-Pandemie hat über das direkte COVID-19-Risiko hinaus weitreichende Folgen für die allgemeine Gesundheit. So weist die Medinizische Universität Wien (MedUni Wien) auch auf einen deutlichen Anstieg der verschleppten Herzinfarkte hin und warnt vor den gesundheitlichen Folgen. Trotz der Pandemie sollte bei Hinweisen auf einen Herzinfarkt dringend ärztliche Hilfe gesucht werden.

Die MedUni Wien berichtet von einer deutlichen Zunahme der Patientinnen und Patienten mit verschlepptem Herzinfarkt. Dies sei vermutlich darauf zurückzuführen, dass viele Betroffene die ersten Symptome ignorieren und sich aufgrund von Corona-Sicherheitsvorkehrungen oder Angst vor einer Ansteckung nicht zu ärztlichen Untersuchungen begeben. Bei Anzeichen eines Herzinfarkts müsse umgehend eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Verspätete Krankenhauseinlieferungen

An der Klinischen Abteilung für Kardiologie von AKH Wien und MedUni Wien war seit Beginn der Corona-Pandemie in Österreich einerseits ein Rückgang der Zahl von Patientinnen und Patienten mit einem akutem Herzinfarkt um 26 Prozent festzustellen. Doch andererseits hat sich eine signifikante Verlängerung der Zeit zwischen erstmaligem Auftreten der Beschwerden (Symptombeginn) und dem Eintreffen im Krankenhaus gezeigt, berichtet die MedUni Wien.

Die Zeitspanne zwischen Symptombeginn und Krankenhauseinlieferung sei von 398 Minuten vor der Pandemie auf jetzt 1.082 Minuten (jeweils im Monatsdurchschnitt) gestiegen. Parallel dazu seien auch mehr Menschen außerhalb der Kliniken infolge eines Herzinfarkt verstorben, so die Mitteilung der Universität.

Auswirkungen auf die Behandlung

Die verzögerte Einlieferung ins Krankenhaus hat zudem Auswirkungen auf die Behandlungsmöglichkeiten. „Das verspätete Eintreffen im Krankenhaus nach Auftreten der ersten Beschwerden führt dazu, dass der Verschluss des Herzkranzgefäßes technisch schwieriger zu behandeln ist, da sich in dem verschlossenen Gefäß mit der Zeit zunehmend feste Gerinnsel bilden“, erläutert Christian Hengstenberg, Leiter der Kardiologie von AKH Wien und MedUni. Je länger das Herzkranzgefäß verschlossen ist, desto größer sei die Gefahr für eine dauerhafte Schädigung des Herzens.

Anzeichen eines Herzinfarkt erkennen

Je schneller nach Auftreten der ersten Symptome eine ärztliche Behandlung erfolgt, desto besser ist es für die Aufrechterhaltung der Herzleistung und damit auch für das Überleben des Menschen, erläutert der Kardiologe. Hier ist es jedoch wichtig, die möglichen Anzeichen eines Herzinfarktes zu erkennen, denn die auffälligen Brustschmerzen zeigen sich nicht bei allen Betroffenen.

Die Deutsche Herzstiftung nennt als mögliche Anzeichen eines Herzinfarkts unter anderem:

  • Starke Schmerzen, Brennen, Druck- und Engegefühl im Brustkorb,
  • Schweißausbrüche (mit kalter, fahler Haut),
  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Kurzatmigkeit und Atemnot,
  • Schmerzen im Oberbauch,
  • Ziehen in den Armen,
  • Rückenschmerzen,
  • unerklärliche Müdigkeit.

Einige dieser Symptome treten eher bei Frauen auf, andere eher bei Männern. Insgesamt sollte jedoch insbesondere, wenn mehrere dieser Beschwerden kombiniert vorliegen, die Möglichkeit eines Herzinfarktes berücksichtigt werden.

Beschwerden häufig falsch gedeutet

„Herzinfarkte kommen häufig vor und sind in etwa 50 Prozent der erste wahrgenommene Hinweis auf eine bereits bestehende Herzerkrankung“, erläutert die MedUni Wien. Daher hatten viele Betroffene vor dem Auftreten des Herzinfarktes keinen Kontakt mit Herzkrankheiten und dies führe manchmal dazu, dass Beschwerden fehlgedeutet werden. Drückende Schmerzen im Oberbauch würden zum Beispiel als „Magenverstimmung” fehlinterpretiert, obwohl im EKG schon ein Herzinfarkt sichtbar wäre, der sofort einer medizinischen Behandlung bedürfte.

Umgehend ärztliche Hilfe suchen

Den Kardiologinnen und Kardiologen der MedUni Wien und des AKH Wien zufolge ist es daher besonders wichtig, dass Beschwerden im Brustbereich unbedingt sofort ärztlich abgeklärt werden. Ganz konkret sollte bei länger als zehn Minuten andauernden Beschwerden im Brustbereich dringend der Rettungsdienst gerufen werden und eine Einweisung in ein Krankenhaus erfolgen. Die Deutsche Herzstiftung rät zudem, auch bei den anderen Symptomen den Rettungsdienst zu kontaktieren, „wenn die Beschwerden in einem noch nie zuvor erlebten Ausmaß auftreten.“

Was passiert im Krankenhaus?

„Im Krankenhaus können wir schnell feststellen, ob die Beschwerden lebensbedrohlich sind, und bei Bedarf sofort handeln“, betont Christian Hengstenberg. Zur Diagnose eines akuten Herzinfarkts müsse so rasch wie möglich eine Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt werden, bei der die Verstopfung eines Herzkranzgefäßes gefunden und dieses wiedereröffnet werden kann, berichtet die MedUni Wien weiter. Zumeist werde auch ein Stent eingesetzt, um die Ader offen zu halten. „Wir müssen darum kämpfen, dass die Menschen keine Angst haben, sich in den Spitälern vorzustellen, um unklare Brustschmerzen abzuklären”, betont die Leiterin des Herzkatheter-Bereichs des Universitätsklinikums AKH Wien, Irene Lang. (fp)

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