Diese Länder haben bislang keine einzige Impfdosis bekommen

Diese Länder haben bislang keine einzige Impfdosis bekommen

In Deutschland können sich Millionen Menschen ohne Zugehörigkeit zu einer besonderen Gruppe in den kommenden Monaten mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson impfen lassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat die Priorisierung für das Präparat in Arztpraxen und bei Betriebsärzten aufgehoben. Der CDU-Politiker will dadurch die Impfkampagne weiter "pragmatisch" und "mit Geschwindigkeit" vorantreiben. Erst vergangene Woche hatten die Gesundheitsminister der Bundesländer beschlossen, Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca künftig für alle zu ermöglichen, wenn sich Impfwillige mit ihrem Arzt dafür entscheiden.

Afrika bei Corona-Impfungen weit abgeschlagen

Die Menschen in einigen anderen Ländern der Welt können davon nur träumen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben etwa ein Dutzend Staaten bislang überhaupt keinen Corona-Impfstoff bekommen. Laut WHO sind darunter Haitiund die afrikanischen Länder Tschad, Burkina Faso, Burundi, Eritrea und Tansania. Ganz Afrika verfügt demnach nur über ein Prozent der weltweit disponiblen Impfstoffe.

"Ich finde das unfair und ungerecht, und es macht mich traurig", zitiert die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) Oumaima Djarma, Ärztin für Infektionskrankheiten in N'Djamena, der Hauptstadt des Tschad. Sie habe nicht einmal die Wahl, welches Vakzin sie auswähle. "Den ersten Impfstoff, der daherkommt und der eine Zulassung hat, werde ich nehmen."

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Kein einziger Mitarbeiter aus Djarmas Krankenhaus sei bisher geimpft worden, und man habe sie auch nicht darüber informiert, wann das möglich sein werde, berichtet AP. "Wenn ich zum Beispiel höre, dass sie in einigen Ländern mit dem medizinischen Personal und den älteren Menschen fertig sind und jetzt zu anderen Kategorien übergehen, macht mich das ehrlich gesagt traurig", erzählt Djarma. "Ich frage sie, ob sie uns diese Impfstoffe zur Verfügung stellen können, um wenigstens das medizinische Personal zu schützen."

"Jeder stirbt an dieser Krankheit, ob reich oder arm", erklärt die Ärztin. "Jeder muss die Möglichkeit, die Chance haben, geimpft zu werden, besonders diejenigen, die am meisten gefährdet sind."

Neue Virus-Varianten drohen

Verzögerungen und Engpässe bei der Impfstoffversorgung führten dazu, dass afrikanische Länder bei der Einführung der Covid-19-Impfstoffe weiter hinter den Rest der Welt zurückfielen, warnte auch die WHO in der vergangenen Woche. Und an Orten, an denen es keine Impfstoffe gebe, bestehe auch die Möglichkeit, dass neue und besorgniserregende Varianten auftauchen könnten.

"Wir sollten alle besorgt sein über jeden Mangel an Abdeckung irgendwo in der Welt", sagte der Unicef-Koordinator des weltweiten Impfprogramms Covax, Gian Gandhi, und appellierte an reichere Länder, Impfdosen weiterzugeben. Zwar gebe es nach offiziellen Zahlen relativ wenige Coronainfektionen in Afrika. So wurden im Tschad bisher rund 4800 Corona-Infektionen und 170 Todesfälle durch Covid-19 gemeldet. Gandhi geht aber davon aus, dass viele Fälle gar nicht erfasst werden. Die Länder in Afrika, die noch auf Impfstoffe warteten, gehörten zu den Ländern, die aufgrund ihrer schwachen Gesundheitssysteme am wenigsten in der Lage seien, Infektionen zu verfolgen, erklärte er.

Auch den mehr als elf Millionen Einwohnern von Haiti, dem ärmsten Land der westlichen Hemisphäre, wurde bislang keine einzige Spritze gegen das Coronavirus verpasst. Eigentlich sollte der Inselstaat über Covax 756.000 Astrazeneca-Dosen erhalten, berichet AP. Aber Regierungsbeamte hätten erklärt, dass sie nicht über die nötige Infrastruktur verfügten, um den Impfstoff aufzubewahren. Sie befürchteten, diesen wegwerfen zu müssen. Die haitianischen Beamten äußerten demnach auch Bedenken wegen möglicher Nebenwirkungen und sagten, dass sie einen Impfstoff mit nur einer Dosis bevorzugen würden.

Mehrere kleine Inselnationen im Pazifik haben ebenfalls noch keinen Impfstoff erhalten. Vanuatu, mit einer Bevölkerung von 300.000 Einwohnern, erwartet die ersten Dosen Astrazeneca noch in diesem Monat. Das Land hat aber bisher auch nur drei Erkrankungen mit dem Coronavirus registriert und die Betroffenen unter Quarantäne gestellt.

WHO nennt ungleiche Verteilung „selbstzerstörerisch“

Covax will eine faire weltweite Verteilung von Corona-Impfstoffen erreichen. Ziel des Programms ist es, bis Ende des Jahres genügend Dosen zu verteilen, um bis zu 27 Prozent der Bevölkerung in den 92 ärmsten Ländern zu impfen. Bis Anfang Mai hat das Impfprogramm 54 Millionen Corona-Impfdosen an gut 120 Länder abgegeben. Die reichen Länder subventionieren die Beschaffung für die ärmsten Länder.

WHO-Chef Tedros warnt die reichen Industrieländer immer wieder, die ungerechte Verteilung von Corona-Impfstoffen auf der Welt sei "nicht nur ein moralischer Skandal, sondern auch wirtschaftlich und epidemiologisch selbstzerstörerisch".

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Doch selbst wenn Afrika endlich genügend Corona-Impfstoff bekäme, müssten die Gesundheitsbehörden noch ein anderes Problem überwinden: Auf dem Kontinent gibt es eine verbreitete Impfskepsis. So gab die arme Demokratische Republik Kongo Ende April gut 1,3 Millionen Dosen ungenutzten Astrazeneca-Impfstoff an fünf andere Länder weiter, weil die Haltbarkeit des Vakzins bald abgelaufen wäre.

Im Krankenhaus von Farcha im Tschad hätten sie sich über die Dosen gefreut. Neun Mitarbeiter haben sich bereits mit dem Virus infiziert, darunter auch der Kardiologe Mahamat Yaya Kichine. "Es dauerte fast 14 Tage, bis ich geheilt war", berichtet Kichine. "Es gab viele Betreuer, die infiziert waren, also denke ich, dass, wenn es eine Möglichkeit gibt, einen Impfstoff verfügbar zu machen, es uns die Arbeit wirklich erleichtern würde."

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