Empörung wegen Genesenen, Alarm bei Tests: 5 Corona-Themen, die Lauterbach jetzt klären muss

Empörung wegen Genesenen, Alarm bei Tests: 5 Corona-Themen, die Lauterbach jetzt klären muss

Karl Lauterbach ist zwar erst seit wenigen Wochen Minister für Gesundheit, doch Corona gönnt ihm keine Eingewöhungszeit. Wie kam es zu der Ad-Hoc-Änderung bei dem Genesenen-Status? Welche Tests können Omikron erkennen? Haben wir genug PCR-Testkapazitäten? Auf diese und weitere Fragen braucht es dringend Antworten.

Mit dem Mediziner und Epidemiologen Karl Lauterbach verband sich die Hoffnung, dass das Corona-Chaos seines Vorgängers Jens Spahn endlich ein Ende finden würde. Doch die Anzeichen verdichten sich, dass die Corona-Politik des Bundes weiterhin intransparent und ineffizient bleibt. Nun ist Lauterbach noch keine 100 Tage im Amt, doch Corona nimmt auf die Einarbeitung des Ministers keine Rücksicht.

Immer informiert: News zur Corona-Pandemie – Mehr als 130.000 neue Corona-Fälle in Deutschland – Inzidenz schießt über 600

Seit Lauterbachs Amtsantritt am 8. Dezember hat sich die Omikron-Mutation hierzulande durchgesetzt und rast mit nie dagewesener Geschwindigkeit und Inzidenzen durchs pandemiegeplagte Land. Damit sich Lauterbach nicht nur als begnadeter Talkshow-Gast, sondern endlich auch als Krisenmanager hervortun kann, braucht es nun mehr als nur die bisherige Inventur der Impfstoff-Vorräte und -Bestellungen. Nach wie vor tun sich im Kampf gegen Corona riesige Baustellen auf, ergeben sich Widersprüche und Ungereimtheiten. Antworten muss Lauterbach vor allem für diese fünf Punkte finden:

1. RKI-Änderung beim Genesenen-Status

Am Montag verkürzte das Robert-Koch-Institut (RKI) unvermittelt den Genesen-Status ehemaliger Corona-Patienten von sechs auf drei Monate. Doch gleichzeitig rät das RKI, mit einer Booster-Impfung nach einer Infektion „mindestens“ drei Monate zu warten. Wie soll dann ein ausreichender und kontinuierlicher Schutz vor dem Virus in der Praxis funktionieren?

Lauterbach muss das RKI, das seinem Ministerium untersteht, besser unter Kontrolle bringen. Der emsige RKI-Chef Lothar Wieler prescht mit Vorschlägen und Empfehlungen allzu oft unkoordiniert an die Öffentlichkeit. Bereits vor Weihnachten stellte Wieler mit einem Papier zu möglichen Lockdown-Maßnahmen seinen Chef Lauterbach bloß, indem er „maximale Kontaktbeschränkungen“ forderte. Doch Lauterbach hatte zwei Tage zuvor einen Lockdown ausdrücklich ausgeschlossen.

Surftipp: Omikron-Chaos – Von Corona genesen: Warum die Immunität rapide herabgesetzt wurde

2. Welche Schnelltests können Omikron erkennen?

Antigen-Schnelltests können Omikron nicht so gut nachweisen wie die Delta-Variante des Corona-Virus, stellte die US-amerikanische Gesundheitsbehörde letztes Jahr fest. Auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hatte in einer groß angelegten Studie große Zweifel an der Wirksamkeit von Schnelltests. Das IQWiG steht übrigens über den Gemeinsamen Bundesausschuss unter der Rechtsaufsicht des Gesundheitsministers.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) des Bundesgesundheitsministeriums widerspricht aber halbherzig und geht davon aus, „dass die allermeisten der in Deutschland angebotenen und positiv bewerteten Antigentests eine Omikron-Infektion nachweisen können“. Ärzte und Virologen empfehlen jetzt zur Sicherheit, mehrere Schnelltests hintereinander zu machen. Der Schnelltest gleicht dann jedoch eher einer Lotterie als einem validen Ergebnis. Moritz Frankenberg/dpa

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) besucht Impfzentrum und setzt als gelernter Arzt selbst die Spritze.

Das PEI behauptete, ohne eingehende Untersuchungen gemacht zu haben, dass auch 80 Prozent der Schnelltests für Omikron geeignet sein sollen. Dann schob das Insitut hinterher, dass allerdings noch weitere Studien speziell mit Omikron-Infizierten notwendig seien, um eine endgültige Aussage treffen zu können.

Lauterbach musste daraufhin die überhasteten Aussagen des PEI wieder einfangen und kündigte in der ARD an, dass nochmals genau geprüft werden soll, wie empfindliche die Antigen-Tests bei einer Corona-Infektion tatsächlich sind. Das PEI soll in einigen Wochen eine neue Positiv-Liste vorlegen.

Bis dahin bieten 3G oder 2G+ also keinen sicheren Schutz in der Pandemie. Und falls Schnelltests positiv ausfallen, dann gerät die weiterführende Untersuchung mit PCR-Tests an seine Grenzen. Zumindest in Deutschland:

3. Haben wir genug PCR-Testkapazitäten?

Deutschlands Laborkapazitäten seien am Limit, heißt es. Der Verband „Akkreditierter Labore in der Medizin“ ermittelt wöchentlich unter 182 Laboren die Auslastung und setzte bereits Ende November einen Hilferuf ab. Im Mittel werden zurzeit etwa 200.000 PCR-Tests am Tag auf das Corona-Virus hin untersucht. Im November waren es zeitweise rund 280.000 pro Tag. Zum Vergleich: In Frankreich gehen derzeit täglich über 1,5 Millionen Tests in die Labore, in Italien 1,1 Millionen. Statista

Deutschland liegt beim Testen weit zurück.

4. Johnson & Johnson – der vergessene Impfstoff

Die Bundesregierung empfiehlt auf ihrem Impf-Portal den Impfstoff von Johnson & Johnson nach wie vor für Über-60-Jährige. Das Besondere: Er muss anders als die Vakzine von Biontech oder Moderna nur einmal verimpft werden, um einen vollständigen Impfstatus zu garantieren. Bislang. Um nun den 2G-Regeln zu entsprechen, besteht seit 16. Januar eine Pflicht zur Zweitimpfung. Die ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt sogar schon rund vier Wochen nach der Erstimpfung mit dem Johnson & Johnson eine Auffrischimpfung mit einem der mRNA-Impfstoffe, um eine vollständige Grundimmunisierung zu erreichen. Ist der Impfstoff also nichts wert?

Rund 3,5 Millionen Menschen sind mit Johnson & Johnson geimpft. Lauterbach, der letzten Sommer selbst als Arzt den Impfstoff vor laufenden Kameras spritzte, änderte die Regularien über Nacht. Und damit verloren plötzlich 3,5 Millionen Menschen den Zugang zu weiten Teilen des gesellschaftlichen Lebens.

Nicht nur für Lauterbach sollte sich hier die Frage stellen, warum die Bundesregierung dann ausgerechnet für die Risikogruppe Nummer 1 – die Senioren über 60 Jahre – den Impfstoff weiterhin empfiehlt. Und warum solche Regeländerungen über Nacht kommen müssen.

5. Verdacht auf Manipulation der Intensivbetten-Zahlen

Zu guter Letzt steht das Thema Intensivbetten weiterhin auf der Tagesordnung. Derzeit meldet der Interessenverband der Intensivmedizin (Divi) rund 22.000 Intensivbetten plus etwa 8000 in Reserve. Ohne die Reserve stehen also rund 27 Betten pro 100.000 Einwohner zur Verfügung – also um ein Vielfaches mehr als unseren europäischen Nachbarn. Die Divi darf diese Betten auch nur melden, wenn sie mit ausreichend Pflegepersonal ausgestattet sind. Dennoch gerät man in Deutschland während der Pandemie regelmäßig an die Belastungsgrenze. Was könnte der Grund dafür sein?

Mit oder ohne Corona waren und sind diese Betten stets gut gefüllt. In der Pandemie mussten zeitweise viele Operationen ausfallen, um Intensivbetten freihalten zu können. Für verschobene Operationen etwa am Hüftgelenk gab es in der Vergangenheit jedoch milliardenschweren Ersatz für die Krankenhäuser: Rund 15 Milliarden Euro zahlte das Bundesamt für die soziale Sicherung den Kliniken aufgrund der Pandemie. Diese Ausgleichszahlungen gibt es jedoch nur, wenn die Kapazität der freien Intensivbetten in Stadt oder Landkreis unter 25 Prozent sinkt.

Der neue Bundesgesundheitsminister Lauterbach muss nun den Verdacht ausräumen, dass sich die finanziell chronisch klammen Kliniken auf Kosten der Allgemeinheit in der Pandemie die Taschen füllen, indem sie regelmäßig Kapazitätsengpässe auf den Intensivstationen heraufbeschwören.

Vergangenes Jahr stellte sich bereits der Bundesrechnungshof die Frage, ob die Intensivbetten-Zahlen manipuliert werden, und ob Krankenhäuser absichtlich zu wenige freie Intensivbetten melden würden. Auf valide Daten zur tatsächlichen Bettenbelegung wird jedoch weiterhin verzichtet. Die Divi fragt nur bei „auffälligen“ Betten-Meldungen im Krankenhaus nach – per Telefon oder Mail.

Doch um das Problem zu lösen, müsste Lauterbach eine grundlegende Reform der Krankenhauslandschaft und der immer noch zu hohen Fallpauschalen angehen. Ein Mammut-Projekt.

Corona-Zeitalter: Infos über Experten, Virologen und Impfstoffe


  • Albert Bourla: Was der CEO von Pfizer verdient


  • Infos zu Biontech, Moderna, Novavax, Astrazeneca, Curevac, Johnson & Johnson


  • Arzt, Hersteller, Steuerzahler? Wer bei Impfschäden und Langzeitfolgen haftet


  • Übersterblichkeit in Deutschland – inklusive Dezember 2021


  • Christian Drosten: Was Sie über den Professor wissen sollten


  • Karl Lauterbach: 5 Kinder von zwei Frauen und reich, aber unglücklicher Single


  • Alexander Kekule: Alter, Frau, Einkommen


  • Hendrik Streeck: Von Ehemann über Partei bis Verehrerin


  • Novavax: Ist Nuvaxovid nun ein Totimpfstoff oder nicht?


  • Kinderimpfungen starten: Was die Ständige Impfkommission Eltern empfiehlt


  • So wurde Dr. Christoph Spinner zum Corona-Experten


  • Jens Spahn: Partner Daniel, Corona-Chaos, Millionen-Villa


  • Lothar Wieler: Frau, Familie, Einkommen, Hobby


  • Nach der Corona-Impfung: Essen, Trinken, Rauchen, Sex und Sport? alle Infos

  • Russland-Ukraine-Konflikt: USA bereiten Notfall-Gasversorgung für die EU vor

    FOCUS Online/Wochit Russland-Ukraine-Konflikt: USA bereiten Notfall-Gasversorgung für die EU vor

    Quelle: Den ganzen Artikel lesen