Maskenpflicht, Lockdown, Sperrstunde: So sehen die Regeln in unseren Nachbarländern aus

Maskenpflicht, Lockdown, Sperrstunde: So sehen die Regeln in unseren Nachbarländern aus

Nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, suchen die Regierungen angesichts rasant steigender Infektionszahlen nach dem besten Weg durch die Coronavirus-Pandemie. In immer mehr Ländern unterliegt das Alltagsleben wieder drastischeren Beschränkungen. Mancherorts gilt eine generelle Maskenpflicht in der Öffentlichkeit, anderswo müssen Kneipen und Restaurants früh schließen.

Kampf gegen Coronavirus bei Deutschlands Nachbarn

In mehreren Ländern ist sogar von einem "Teil-Lockdown" die Rede, in manchen bereiten sich die Krankenhäuser schon auf schlimme Szenarien vor.

Der stern hat die Lage und Maßnahmen in den Nachbarländern der Bundesrepublik zusammengefasst:

Dänemark: Wenig ist zurzeit von unseren nördlichen Nachbarn zu hören. Doch auch dort zeigt die Kurve der täglichen Neuinfektionen seit Angang September tendenziell nach oben. Die Einreisebeschränkungen für Touristen aus Deutschland wurden inzwischen zwar wieder aufgehoben, dennoch ist das öffentliche Leben in Dänemark weiter eingeschränkt. So müssen Gaststätten um 22 Uhr schließen, Discos und Nachtclubs sind komplett dicht. Zudem wurde die Bevölkerung aufgerufen, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel möglichst zu vermeiden – dort, wie auch beim Besuch der Gastronomie – gilt eine Maskenpflicht. Versammlungen von mehr als 50 Menschen sind verboten.

Niederlande: Die Niederlande machten lange Zeit mit einem relativ lockeren Umgang mit der Coronavirus-Pandemie von sich reden. Nach zuletzt stark ansteigenden Infektionszahlen nimmt auch die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen und in Krankenhäusern schnell zu. Die Regierung verschärfte die Maßnahmen und verhängte einen "Teil-Lockdown". Kneipen, Cafés und Restaurants werden geschlossen, und der Verkauf von Alkohol ist ab 20 Uhr verboten. Außerdem dürfen die Bürger nur noch maximal drei Gäste pro Tag in ihren Wohnungen empfangen und sollen Bus und Bahn nur noch in dringenden Fällen nutzen. Premier Rutte kündigte zudem eine allgemeine Maskenpflicht für alle öffentlichen Räume wie Geschäfte, Museen oder Bibliotheken an, bisher war dies nur eine dringende Empfehlung. 

Steigende Infektionszahlen

Gaststätten zu und Maskenpflicht: Niederlande verhängen "Teil-Lockdown"

Belgien: Das Land kämpft seit Mitte September gegen einen massiven Wiederanstieg der Corona-Neuinfektionen, was sich seit einigen Tagen auch auf die Zahl der Krankenhauseinweisungen und der Todesopfer niederschlägt. Deshalb müssen die Krankenhäuser seit Mittwoch mehr Betten auf den Intensivstationen für Covid-19-Patienten bereitstellen: Ein Viertel der rund 2000 Intensivbetten muss nun für schwere Corona-Fälle reserviert bleiben. Enge Kontakte außerhalb der Familie sind inzwischen auf drei Personen pro Familienmitglied in einem Monat beschränkt, im Freien dürfen sich nur noch maximal vier Menschen treffen. Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit ist tabu. Auch Belgien hat eine Sperrstunde für Cafés und Bars verhängt – um 23 Uhr muss dort Schluss sein. Die Regelungen zur Maskenpflicht sind ähnlich mit jenen in Deutschland.

Luxemburg: Die Rate von Infektionen im kleinsten Nachbarland Deutschlands lag zuletzt bei 129 Fällen auf 100.000 Einwohner binnen einer Woche. Auch im Großherzogtum gelten verschärfte Regeln zum Schutz der Bevölkerung: In der Gastronomie muss spätestens um Mitternacht Feierabend sein. Dort, in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Geschäften gilt eine Maskenpflicht. Versammlungen von mehr als zehn Person dürfen nur durchgeführt werden, wenn ein Mindestabstand von mindestens zwei Metern zwischen den Teilnehmern gewährleistet werden kann.

Frankreich: Auch die Regierung in Paris hat die Schutzmaßnahmen in den vergangenen Wochen mehrfach verschärft. In Corona-Hotspots wie Paris, Marseille, Lyon und sechs weiteren Ballungsräumen sind unter anderem Bars, Cafés und Fitnessclubs geschlossen, Restaurants dürfen nur unter Auflagen offen bleiben. Präsident Emmanuel Macron will am Mittwochabend weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens verkünden. Im Gespräch war unter anderem eine Ausgangssperre ab etwa 20 Uhr. Die Zahl der täglichen Neuansteckungen in Frankreich ist seit zwei Monaten deutlich höher als in Deutschland, obwohl das Nachbarland 16 Millionen weniger Einwohner zählt als die Bundesrepublik. Am Wochenende wurde ein Tages-Höchststand von fast 27.000 registrierten Fällen erreicht.

Ansteigende Corona-Infektionen

Frankreichs Kampf gegen Corona – eine Reportage aus Paris mitten in der zweiten Welle

Schweiz: Die Schweiz erlebt seit Mitte Juni eine starke Zunahme von Neuinfektionen. Besonders betroffen sind derzeit die Kantone Genf und Waadt (Vaud), weshalb sie vom RKI als Risikogebiete eingestuft wurden. Alle öffentlich zugänglichen Orte im Land müssen daher über ein Schutzkonzept verfügen. Maskenpflicht herrscht jedoch nur in öffentlichen Verkehrsmitteln. Trotz steigender Fallzahlen dürfen auch nach wie vor Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen stattfinden – allerdings mit kantonaler Bewilligung und unter Einhaltung strenger Schutzkonzepte.

Österreich: Das Land verzeichnet erneut Infektions-Rekordwerte: Nach Angaben des Wiener Gesundheits- und Innenministeriums gab es am Mittwoch 1346 neue Fälle. Die Bundesländer Wien, Tirol und Vorarlberg gelten daher als Risikogebiete. Auch die Belegung der Klinikbetten mit Covid-19-Patienten auf Intensiv- wie Normalstationen steigt weiter an. Ende Juli hatte die Regierung die Maskenpflicht auf Supermärkte, Einzelhandel und den öffentlichen Nahverkehr ausgeweitet. Hotels, Restaurants und andere touristische Einrichtungen bleiben nach wie vor geöffnet.

Tschechien: In Tschechien hat die Regierung angesichts massiv steigender Infektionszahlen am 5. Oktober einen 30-tägigen Notstand verhängt. Als Maßnahme zur Eindämmung wurde am Mittwoch die sofortige Schließung aller Restaurants, Bars und Clubs angeordnet. Bis Anfang November stellen die Schulen auf Fernunterricht um. Versammlungen und Treffen mit mehr als sechs Menschen sind untersagt. Seit Montag sind bereits sämtliche Veranstaltungen für zwei Wochen abgesagt; Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime sowie andere soziale Einrichtungen dürfen keine Besucher empfangen. Hotels bleiben mit Einschränkungen weiter geöffnet.

Polen: Polen ist das einzige Nachbarland Deutschlands, das bisher vom Auswärtigen Amt noch nicht ganz oder nur teilweise als Risikogebiet eingestuft wurde. Seit Samstag gilt jedoch im gesamten Land wieder eine Maskenpflicht in der Öffentlichkeit – sogar im Freien. An Veranstaltungen dürfen maximal 75 Menschen teilnehmen. Zudem gibt es sogenannte rote Zonen: Hier sind die Auflagen strenger, Bars und Restaurants müssen ab 22 Uhr schließen. In Polen hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen erstmals die Marke von 6000 überschritten: Innerhalb von 24 Stunden kamen 6526 neue Fälle hinzu, die meisten davon in der Region um die Hauptstadt Warschau (1188), wie das polnische Gesundheitsministerium mitteilte.

Hinweis: Dieser Artikel stellt einen Überblick da. Die verbindlichen Regelungen in den einzelnen Nachbarstaaten Deutschlands geben ausschließlich die örtlichen Behörden heraus. Auch das Auswärtige Amt in Berlin bietet in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen für die einzelnen Ländern Informationen über die jeweils getroffenen Maßnahmen.

Quelle: Den ganzen Artikel lesen