Mein liebes Tagebuch

Mein liebes Tagebuch

Erstmal nix mit honorierten pharmazeutischen Dienstleistungen – Krankenkassen- und Apothekerverband konnten sich nicht einigen. Am Geld liegt’s nicht, sagt der Kassenverband, das Geld ist da. Woran liegt’s dann? Vielleicht daran, dass wir alle noch nicht wissen, wofür es das Geld geben soll? Stark, oder? Wir könnten doch z. B. gegen Covid-19 impfen! Und wie laufen eigentlich die Tests mit dem E-Rezept in der „Fokusregion“? E-Rezept? Welches E-Rezept? Dabei können wir doch digital, z.B. Plattformen. Oder Apothekertage, wie der westfälisch-lippische. Aber noch keine Impfzertifikate für Drittimpfungen, die laufen übers DAV-Portal, sorry.

6. September 2021

Veränderungen beim Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL): Dr. Klaus Michels (60), Chef des AVWL, hört auf, aus persönlichen Gründen. Oh, mein liebes Tagebuch, so plötzlich? Vor zwei Jahren trat er doch erst seine vierte Amtszeit an. Warum jetzt? „Persönliche Gründe“ sind selbstverständlich zu respektieren. Aber so insgeheim fragt man sich dann doch nach dem Warum. Vor allem, nach so langer Zeit: 30 Jahre lang war er ehrenamtlich für seinen Verband tätig, 14 Jahre lang war er der Chef des AVWL. Es war eine turbulente Zeit, in der sich berufspolitisch viel getan hat – Michels hat die Apothekeninteressen mit großem Engagement und Leidenschaft vertreten. Und diese Leidenschaft war nicht immer ABDA-kompatibel. Denn Michels hat oft weitergedacht, vorausschauend, zum Beispiel beim Apothekenstärkungsgesetz. Er hatte sich vehement dafür eingesetzt, die im Arzneimittelgesetz verankerte Rx-Preisbindung nicht zu streichen. Es kam anders: Mit dem Apothekenstärkungsgesetz gilt die Rx-Preisbindung nur für GKV-, aber nicht für Privatversicherte. Für Michels geht davon über kurz oder lang eine große Gefahr für unser Apothekensystem aus: Letztlich könnte diese Zweiteilung dazu führen, dass die Rx-Preisbindung auch im GKV-Markt fällt mit weiteren Folgen. Spekulieren kann man auch darüber, ob die jüngsten Vorgänge im Zusammenhang mit der geplanten Beteiligung der Apothekerverbände an der neuen „Gesellschaft für digitale Services der Apotheken mbH – GEDISA“ für Michels das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Interimsnachfolger für Michels ist Thomas Rochell, der bereits seit 2003 dem AVWL-Vorstand angehört. Er wird den Vorsitz bis zur turnusmäßigen Neuwahl im Jahr 2023 ausüben.

 

Unsere ABDA-Präsidentin hatte vor Kurzem bereits Signale in die Richtung des Bundesgesundheitsministers ausgesandt: Die Apotheker stünden bereit, auch gegen Covid-19 zu impfen. Nun, mein liebes Tagebuch, auch wenn das mit dem „Bereitstehen“ ein bisschen forsch ausgedrückt ist: Im Prinzip befürworten laut einer DAZ.online-Umfrage knapp die Hälfte der abgegebenen Stimmen das Impfen in der Apotheke. Nur ein Viertel vertritt die Meinung, dass das Impfen nichts in der Apotheke verloren hat, sondern eine ärztliche Aufgabe sei. Nun, mein liebes Tagebuch, die grundsätzliche Bereitschaft in den Apotheken ist da, wie wir auch bei den Modellprojekten zur Grippeschutzimpfung gesehen haben. Jetzt müssten wir nur noch dürfen, was wir wollen. Und die Verbände und Krankenkassen müssten endlich mal in den noch ausstehenden Bundesländern in die Puschen kommen und sich auf Modellprojekte einigen.

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