Neue Studie: Parkinson an der Kopfhaut erkennbar – Heilpraxis

Neue Studie: Parkinson an der Kopfhaut erkennbar – Heilpraxis

Signale der Kopfhaut bei Parkinson verändert

Mit Parkinson-Erkrankungen sind krankhafte Veränderungen im Gehirn verbunden, die laut einer aktuellen Studie anhand der Signale der Kopfhaut abgelesen werden können, ohne dass der Schädel geöffnet werden muss. Diese neue Erkenntnis könnte auch bei der Parkinson-Diagnose und der Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze helfen.

Morbus Parkinson ist eine neurodegenrative Erkrankung, deren Ursachen bis heute weitgehend unklar bleiben. Bekannt ist allerdings, dass elektrische Schwingungen von Nervenzellen in der Tiefe des Gehirns und der Hirnrinde krankhaft miteinander gekoppelt sind. Diese krankhaften Kopplungen lassen sich den aktuellen Forschungsergebnissen zufolge mittels Elektroenzephalogramm (EEG) an der Kopfhaut ablesen. Veröffentlicht wurde die entsprechende Studien in dem Fachmagazin „BRAIN, a Journal of Neurology“.

Die abnormale Phasen-Amplituden-Kopplung zwischen β und Breitband-γ-Aktivitäten wurde bereits als möglicher Biomarker für die Parkinson-Krankheit identifiziert, erläutern die Forschenden der Universitätsmedizin Leipzig und des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften. Die neuronalen Mechanismen, die der abnormalen Kopplung zugrunde liegen, und ihre Beziehung zu den motorischen Beeinträchtigungen bei Parkinson seien jedoch unklar.

In der aktuellen Studie untersuchte das Team um Professor Dr. Joseph Claßen vom Universitätsklinikum Leipzig und Professor Dr. Thomas Knösche vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, inwiefern sich die abnormalen Kopplungen bei Parkinson ohne einen chirurgischen Eingriff anhand der Kopfhaut-Signale ablesen lassen.

EEG-Messungen zeigen abnormale Kopplungen

In den fünfminütigen EEG-Messungen seien tatsächlich derartige Kopplungen bei Parkinson-Patientinnen und -Patienten feststellbar gewesen. Diese waren verstärkt in Hirnregionen, die der Bewegungskontrolle dienen, berichten die Forschenden. Zudem war eine Korrelationen zwischen den motorischen Parkinson-Beeinträchtigungen und abnormalen Kopplungen in bestimmten Hirnregion zu beobachten.

Ansatz für neue Therapien

Das Aufbrechen der abnormalen Kopplungen zwischen Schwingungen verschiedener Hirnregionen könnte auch einen Ansatz zur Therapie bilden, betonen die Forschenden. „Wir hoffen, dass die gekoppelten elektrischen Schwingungen bei Parkinsonpatienten in der Zukunft mit elektrischer oder magnetischer Stimulation von außen korrigiert werden können, ohne dass eine Operation notwendig ist“, so Professor Claßen.

Den Forschenden zufolge hatte offenbar „nur die Kopplung zwischen β und γ Signalen aus verschiedenen Komponenten eine pathophysiologische Bedeutung“, so dass hierauf abzielende therapeutische Ansätze besonders vielversprechend scheinen.

„Mit unseren mathematischen Modellrechnungen möchten wir erkennen, welche Merkmale solche neuartigen Therapien haben müssen, um erfolgreich zu sein. Dazu könnten die neuen Befunde einen wichtigen Baustein geliefert haben“, resümiert Professor Knösche.

Das Forschungsteam stellte zudem fest, dass die krankhaften Kopplungen auch in einem einzelnen Bereich der Stirnhirnrinde auftraten, der nur wenig an der motorischen Kontrolle beteiligt ist. Dies könnte darauf hindeuten, dass die bei manchen Parkinson-Erkrankungen auftretenden kognitiven Störungen eine gemeinsame Ursache mit den motorischen Störungen haben, erläutert Professor Claßen. In künftigen Studien müsse diese These nun weiter untersucht werden. (fp)

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