Söder macht Corona-Geständnis: Ich habe die Dynamik und das Tempo nicht gesehen

Söder macht Corona-Geständnis: Ich habe die Dynamik und das Tempo nicht gesehen

Das RKI meldet am Mittwoch 66.884 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt damit auf 404,5 – und knackt damit zum ersten mal seit Beginn der Pandemie die 400er Marke. Mehrere Bundesländer aktivieren das Kleeblatt-System. Alle aktuellen News zur Corona-Pandemie finden Sie hier im News-Ticker von FOCUS Online.

News zu Corona vom 24. November

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Spahn würde Impfverweigerer "am liebsten auf eine Intensivstation zerren"

07.09 Uhr: Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich frustriert über die noch immer hohe Zahl der Corona-Impfunwilligen gezeigt. Es gebe immer noch Menschen, "die glauben, das Virus könne ihnen nichts anhaben", sagte Spahn der "Rheinischen Post" (Mittwochausgabe). Diese Menschen würde er "am liebsten auf eine Intensivstation zerren und sie im Angesicht des Leids fragen: Was muss eigentlich noch passieren, damit ihr es kapiert?". Michael Kappeler/dpa Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, nimmt an einer Pressekonferenz zur Corona-Impfungen mit den Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer teil.

Es frustriere ihn, dass mit der Corona-Impfung ein sicheres und hochwirksames Mittel gegen die Pandemie vorliege, das aber "zu viele Erwachsene trotzdem nicht nutzen" wollten.

Der CDU-Politiker schloss ein Vorziehen der für den 9. Dezember geplanten nächsten Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Lage nicht aus. "Wir sehen ja, dass in Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen die Lage sehr ernst ist", sagte Spahn der "Rheinischen Post". "Wir müssen wohl erstmals Patienten in großem Stil innerhalb Deutschlands verlegen. Das haben wir so noch nicht gehabt in der Pandemie. Das wird noch eine große Herausforderung werden."

7-Tage-Inzidenz überschreitet erstmals seit Beginn der Pandemie 400

Mittwoch, 24. November, 06.00 Uhr: Die Zahl der binnen eines Tages ans Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten Corona-Neuinfektionen hat abermals einen neuen Höchststand erreicht. Zudem stieg die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz nach Angaben des RKI vom frühen Mittwochmorgen erstmals seit Beginn der Pandemie über 400.

Den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche gab das Institut mit 404,5 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 399,8 gelegen, vor einer Woche bei 319,5 (Vormonat: 106,3). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 66.884 Corona-Neuinfektionen – im Vergleich zu 52.826 Ansteckungen vor genau einer Woche. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 04.05 Uhr wiedergeben. Christian Charisius/dpa/Illustration Eine Mitarbeiterin eines Corona-Testzentrums hält ein Abstrichstäbchen in der Hand.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 335 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 294 Todesfälle gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 5.497.795 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Dienstag mit 5,60 an (Montag: 5,28). Der Wert spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens. Bei Überschreitung der Grenzwerte 3, 6 und 9 in den Bundesländern können dort jeweils schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie verhängt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.712.900 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 99.768.

Mehrere Bundesländer aktivieren Kleeblatt-Konzept

23.31 Uhr: Bayern und vier weitere Bundesländer haben vor dem Hintergrund der steigenden Auslastung der bundesweiten Intensivstationen offiziell das sogenannte Kleeblatt-Konzept zur strategischen Verlegung von Intensivpatienten aktiviert. Wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) am Dienstagabend mitteilte, soll in den nächsten Tagen eine "größere Anzahl" an Patienten aus Bayern, Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg in andere "Kleeblatt-Regionen" verlegt werden.  

Das sogenannte Kleeblatt-Konzept wurde in der Corona-Pandemie entwickelt, um bei einer hohen regionalen Auslastung der Intensivstationen die Verteilung von Patienten zu erleichtern. Die 16 Bundesländer sind dabei in fünf Gruppen aufgeteilt – die Kleeblätter Nord, Ost, Süd, Südwest und West. Bayern bildet das Kleeblatt Süd, die Länder Thüringen, Sachsen, Berlin und Brandenburg befinden sich im Kleeblatt Ost.  Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa Ein Facharzt versorgt einen Covid-19-Patienten auf der Intensivstation der Leipziger Uniklinik.

Am Mittwoch komme die Steuerungsgruppe zusammen, welche die Verlegungen koordiniert, sagte eine Divi-Sprecherin am Abend der Nachrichtenagentur AFP. Dabei solle auch geklärt werden, mit welchen Transportmitteln die betroffenen Patienten verlegt würden. 

Im Osten und Süden Deutschlands sind die Sieben-Tage-Inzidenzen bei den Corona-Infektionen derzeit besonders hoch. Am höchsten lag sie am Dienstag in Sachsen mit 969,9, gefolgt von Thüringen mit 685,3 und Bayern mit 644,9. Einige Landkreise in diesen Bundesländern weisen Inzidenzen über tausend auf. Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche an.

Berlins Regierungschef Müller fordert Corona-Impfpflicht

20.17 Uhr: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat sich erstmals für eine allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus ausgesprochen. "Ich glaube, wir werden um eine Impfpflicht nicht mehr drumherum kommen", sagte der SPD-Politiker am Dienstag in der RBB-"Abendschau". "Denn nur die Impfung sichert dauerhaft ab, dass wir alles so erleben können, wie wir es wollen. Die hohe Anzahl der Ungeimpften verhindert immer wieder diesen Schritt der Normalität."

Müller, der eine Impfpflicht bisher abgelehnt hatte, sprach von einer schwierigen Abwägung. "Ich bin fest der Überzeugung, es wird zum Schluss immer noch ein paar geben, die alles versuchen, sich der Impfung zu entziehen", sagte er. "Aber ich glaube, es ist nicht mehr tragbar, immer wieder die Geimpften mit zu bestrafen für die Unvernunft der Ungeimpften. Und wir müssen jetzt irgendwann diese Impfquote wirklich so durchsetzen, dass wir alle miteinander sicher leben können." Paul Zinken/dpa/archivbild Berlins Bürgermeister Michael Müller nimmt an einer Pressekonferenz teil.

In der aktuellen Situation mit vielen Infektionen und vollen Kliniken sei das Land durch die vielen Ungeimpften. "Es ist zwingend, auf das Gesundheitsrisiko zu reagieren", so Müller. "Und die Impflicht oder die Durchsetzung dieser ganzen Impfangebote ist, glaube ich, jetzt das Gebot der Stunde. Ich muss es so sagen, auch wenn es mir schwerfällt."

Kurzfristig Spitzentreffen zur Corona-Krise im Kanzleramt

19.51 Uhr: Zur Corona-Krise hat es am Dienstagnachmittag ein kurzfristiges Spitzentreffen im Kanzleramt gegeben. Teilnehmer waren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sowie auch Spitzenvertreter von FDP und Grünen, wie aus Parteikreisen in Berlin verlautete. Näheres dazu wurde nicht mitgeteilt.

Von Seiten der Bundesregierung gab es zu dem Sachverhalt auf Anfrage zunächst keinen Kommentar. Merkel hatte in den vergangenen Tagen angesichts der Zuspitzung der Lage wiederholt auf ein entschiedeneres Vorgehen gegen die Pandemie gedrängt. Die Krise dürfte auch bei den Koalitionsverhandlungen der Ampel-Parteien ein wichtiges Thema sein. dpa/Kay Nietfeld/dpa Das Bundeskanzleramt in Berlin.

Kassenärzte schreiben Brandbrief an Spahn – und fordern Priorisierung bei Booster-Shots

18.52 Uhr: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenvereinigungen der Länder haben einen Brandbrief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verfasst. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, rufen die Mediziner darin dazu auf, zuerst Alte und Vorerkrankte zu boostern. Es sei "unerlässlich, dass eine Booster-Impfung jetzt vordringlich bei den besonders gefährdeten Gruppen erfolgen sollte", zitiert das Blatt aus dem Schreiben.

Bei Unter-60-Jährigen sei eine sofortige Auffrischungsimpfung "aus medizinischer Sicht nicht erforderlich". Die Kassenärzte fordern die Bundesregierung laut "Bild" dazu auf, auch öffentlich auf diesen Umstand hinzuweisen. So soll ein Ansturm auf Arztpraxen verhindert und der Fokus auf die am stärksten Betroffenen gelenkt werden. Denn: Bei älteren Menschen liegt die Booster-Quote aktuell nur bei 16 Prozent. Dabei sind sie nach wie vor am stärksten von Corona betroffen.

In Hamburg können sich Impfwillige mit Luxusauto zu Termin chauffieren lassen

18.47 Uhr: Impfaktion der besonderen Art: Am Mittwoch können sich Menschen, die sich gegen Corona impfen lassen wollen, in Hamburg mit einem Luxusauto zu ihrem Termin chauffieren lassen. Organisiert wurde die Aktion von mehreren Unternehmen der Hansestadt. So wolle man einen Anreiz schaffen, sich impfen zu lassen, hieß es. Das Ziel des Shuttles ist ein Hotel im Stadtteil St. Pauli. Dort findet auch die Impfung statt – und zwar im 20. Stock mit Blick über die Elbe und auf den Hamburger Hafen. Interessierte mussten sich zuvor anmelden. Zuletzt hatte es auch Impfaktionen in der Elbphilharmonie, in den Bücherhallen oder im Volksparkstadion gegeben. Kay Nietfeld/dpa Eine Impfpflicht ist möglich, aber ist sie auch geboten und sinnvoll?

Unterdessen hat der Hamburger Senat am Dienstag angekündigt, die sogenannte 2G-Regel auszuweiten. Künftig sollen auch Theater, Kinos, Freizeiteinrichtungen und Hotels nur noch von Geimpften und Genesenen besucht werden dürfen. Bereits seit dem vergangenen Wochenende gelten in der Hansestadt verschärfte 2G-Regeln.

75,6 Prozent der Menschen in Hamburg sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag mindestens einmal geimpft, 73,7 Prozent haben einen vollständigen Impfschutz. Damit rangiert Hamburg im Ländervergleich beim Impftempo hinter Bremen und dem Saarland weiter auf Platz drei. Eine sogenannte Booster-Impfung erhielten in Hamburg bisher 7,1 Prozent der Menschen.

Impfpflicht bei Bundeswehr eingeführt: Verweigerer gefährden Einsatzbereitschaft

15.25 Uhr: Die Bundeswehr macht als erste offizielle Einrichtung in Deutschland die Impfung gegen das Coronavirus zur Pflicht. Darauf verständigten sich die Leitung des Verteidigungsministeriums und die Personalvertretung, wie ein Sprecher bestätigte. Die Coronaimpfung werde nun in den Katalog der Schutzimpfungen aufgenommen, die für alle Soldaten verpflichtend sind, wie etwa die Gelbfieber- oder Tetanusimpfung. Bereits am Montagabend soll die Personalseite den Weg für eine Impfpflicht freigemacht haben, nachdem es zuvor monatelangen Streit um die Entscheidung gab, so die Deutsche Presse Agentur. Marcel Kusch/dpa/Symbolbild Bundeswehrsoldaten stehen in einer Reihe.

Die Einigung im Streit um die Impfpflicht scheint dringend geboten: Wie das Armee-Portal "Augen geradeaus" berichtet, meldete der Sanitätsdienst der Bundeswehr am Montag 1174 infizierte Soldaten – ein absoluter Höchststand. Der hohe Krankenstand drohe, die Einsatzbereitschaft der Truppe zu gefährden. Soldaten, die sich zukünftig der Impfung verweigern, drohen Disziplinarmaßnahmen. Die Pflicht der Soldaten, Impfungen zu dulden, wurde bereits vom Bundesverwaltungsgericht unabhängig von Covid-19 bestätigt.

Söder macht Corona-Geständnis: "Die Dynamik haben viele nicht gesehen, ich auch nicht"

15.22 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat eingeräumt, die vierte Corona-Welle in ihrer Wucht nicht kommen gesehen zu haben. Dass es eine vierte Welle geben werde, hätten viele erkannt. "Die Dynamik und Geschwindigkeit, die haben viele nicht gesehen, ich auch nicht", sagte Söder am Dienstag in einer Regierungserklärung im Landtag. Auch renommierte Wissenschaftler hätten eine Entwicklung, wie sie sich aktuell präsentiert, nicht vorausgesehen, sagte Söder. Peter Kneffel/dpa Markus Söder (CSU), Ministerpräsident, sitzt während der Sitzung des Kabinetts an seinem Platz.

Der bayerische Regierungschef betonte, es gebe aus seiner Sicht noch keine gesetzliche, wohl aber eine moralische Impfpflicht. "Wir brauchen mehr Idealisten im Land statt Ich-linge", sagte Söder. Nicht in jeder Gaststätte werde etwa – wie vorgeschrieben – nach dem Impfausweis gefragt. Es gebe Menschen, die Impfausweise oder Testergebnisse fälschten. Söder bezeichnete dies als unsolidarisch. Wer so etwas tue, zeige, dass er keine Solidarität mit anderen habe. Er kündigte massive Kontrollen und erhebliche Strafen an. "Wer sich nicht solidarisch verhält, muss auch damit rechnen, dass man einen Betrieb schließt", betonte der Ministerpräsident.

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