„Wahrscheinlich ruft DocMorris einfach bei der EU-Kommission an“

„Wahrscheinlich ruft DocMorris einfach bei der EU-Kommission an“

Im Gegensatz zur neuen EU-Kommission ist das neue EU-Parlament schon konstituiert und arbeitet. Deutschland entsendet in dieser Legislaturperiode auch eine Apothekerin: die Grünen-Politikerin Jutta Paulus. DAZ.online hat mit Paulus über ihre Aufgaben, ihren Werdegang und die für sie wichtigsten politischen Themen gesprochen. Paulus erklärt, warum sie kurzzeitig aus ihrer Partei ausgetreten war und stellt klar: Das EU-Parlament ist am Verfahren rund um das Rx-Boni-Verbot nicht beteiligt – wagt aber eine kleine Prognose, wie es ausgeht.

DAZ.online: Frau Paulus, Sie sitzen als Apothekerin im Europa-Parlament, in der Fraktion der Grünen. Wie nah sind Sie denn noch dran am Geschehen in der Apotheke und den apothekenpolitischen Diskussionen?

Paulus: Nicht mehr so nah. Aus meiner Zeit in der Apotheke habe ich noch einige Freundinnen, mit denen ich mich öfters über aktuelle Entwicklungen austausche. Aber sowohl privat als auch beruflich, also politisch, habe ich nicht mehr viel mit der Apotheke zu tun.

DAZ.online: Sie haben Pharmazie in Marburg studiert. Wie lange haben Sie denn nach dem Studium überhaupt als Apothekerin gearbeitet?

Paulus: Während der Familiengründung In den 1990er-Jahren war es wichtig, ein gesichertes Einkommen zu haben. Und so arbeitete ich nach 1991 für ein paar Jahre als angestellte Apothekerin. Gleichzeitig haben wir dann aber schon in diesen Jahren eine eigene Firma gegründet, einen Laborbetrieb. Ende der 1990er-Jahre wechselte ich dann komplett ins Labor. Da ging es um Schadstoffanalytik, Ökotoxikologie sowie die Bewertung von Chemikalien.

DAZ.online: Haben Sie gerne in der Apotheke gearbeitet?

Paulus: Wie bei jedem Job gab es schöne, aber auch nicht so schöne Seiten. Ich mochte die Beratung, den Kontakt zu den Menschen, mir gefiel es, meine im Studium erlernten Kompetenzen in Beratungsgesprächen an den Mann oder die Frau zu bringen. Auch alle Labortätigkeiten machten mir Spaß. So wie wahrscheinlich jeder Apotheker war ich von den bürokratischen Belastungen im Alltag, also Zuzahlungen oder Rabattverträge erklären und verwalten, nicht so begeistert.

Zur Person

Jutta Paulus wurde 1967 im hessischen Gießen geboren. Sie studierte Pharmazie in Marburg und zog dann ins rheinland-pfälzische Neustadt an der Weinstraße, wo sie zunächst mehrere Jahre in einer Vor-Ort-Apotheke arbeitete. Später gründete sie gemeinsam mit Chemikern eine Labor-Gemeinschaft, wechselte aber 2015 in den Krankenhausbereich als Qualitätsmanagerin. Seit 1987 ist sie Grünen-Mitglied, trat aber Anfang der 2000er-Jahre aus der Partei aus, um wenige Jahre danach wieder einzutreten. 2013 kandidierte sie als Direktkandidatin im Wahlbezirk Neustadt-Speyer, sie verpasste aber den Einzug ins Parlament. 2016 wirkte sie bei den Grünen in der Verhandlungskommission der Koalitionsverhandlungen zur Ampel-Koalition in Rheinland-Pfalz mit. Ein Jahr später wurde sie dann Landes-Chefin der Grünen in Rheinland-Pfalz. Seit Januar 2018 ist sie außerdem im 16-köpfigen Parteirat der Grünen. Im vergangenen Jahr wurde sie auf die Liste zur Europawahl auf Platz 11 gewählt. Die Grünen entsenden insgesamt 21 Abgeordnete (von insgesamt 96 deutschen Abgeordneten) ins EU-Parlament.

DAZ.online: Bei einem Blick in Ihre politische Karriere ist mir aufgefallen, dass Sie zwischendurch kurz aus Ihrer Partei ausgetreten sind…

Paulus: Richtig. Meine politische Laufbahn begann schon in den 1980er-Jahren im Marburger Stadtparlament. Während der 1990er-Jahre war ich weniger aktiv, auch aus Zeitgründen. Als es im Bund dann zu Rot-Grün kam, war ich eine Zeit lang richtig enttäuscht von meiner Partei. Damals wurden viele falsche Entscheidungen getroffen, wie etwa die militärische Einbindung im Kosovo oder die Einführung von Hartz IV mit den damit verbundenen Sanktionen.

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