Was verraten Tattoos und Piercings über die Persönlichkeit? – Heilpraxis

Was verraten Tattoos und Piercings über die Persönlichkeit? – Heilpraxis

Body-Modification-Studie untersucht Zusammenhang mit der Persönlichkeit

Die individuellen Beweggründe für Tätowierungen, Piercings und andere Körpermodifikationen können äußerst unterschiedlich ausfallen. Dennoch zeigen sich bei Menschen mit sogenannten Body-Modifications manche Gemeinsamkeiten der Persönlichkeitsmerkmale.

Das Streben nach Einzigartigkeit als Beweggrund für die gezielten Veränderungen des eigenen Körpers und weitere Persönlichkeitsmerkmale, die mit den Body-Modifications in Zusammenhang gebracht werden können, haben Forschende der Helmut-Schmidt-Universität in einer aktuellen Studie untersucht. Veröffentlicht wurden ihre Ergebnisse in dem Fachmagazin „PLOS ONE“.

Bedürfnis nach Einzigartigkeit

In früheren Studien wurde bereits das Bedürfnis nach Einzigartigkeit in Zusammenhang mit Tätowierungen und Piercings gebracht. Inwiefern sich dies auch auf radikalere Körpermodifikationen wie Zungenspaltungen und Implantate übertragen lässt, blieb allerdings offen. Das Forschungsteam um Professor Dr. Thomas Jacobsen und Professor Dr. Philipp Y. Herzberg von der Helmut-Schmidt-Universität hat nun anhand einer Gruppe von 312 Personen (darunter 138 mit Body-Modifications) versucht, diese Frage zu klären.

Tattoos, Piercings und extreme Körpermodifikationen

Bei den Body-Modifications unterschieden die Forschenden zwischen Tattoos, Piercings und extreme Formen wie Zungenspaltungen. Zudem erfolgte eine „Analyse dreier Sub-Dimensionen des Bedürfnisses nach Einzigartigkeit“, so dass die Studie „ein feinkörniges Verständnis der persönlichen Haltung körpermodifizierter Menschen“ ermöglicht, erläutert die Helmut-Schmidt-Universität.

Unabhängiger von Meinungen anderer

In der Studie wurde deutlich, dass alle Teilnehmenden mit Körpermodifikationen ein stärkeres Bedürfnis nach Einzigartig aufwiesen, als die Teilnehmenden ohne Körpermodifikationen. Zudem haben tätowierte, gepiercte und extrem körpermodifizierte Menschen weniger Bedenken, was die Reaktionen der Mitmenschen angeht und agieren unabhängiger von Meinungen anderer, berichten die Forschenden.

Nonkonformistisches Verhalten und Regelbrüche

Allerdings gab es auffällige Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen der Body-Modifications. So zeigte sich zum Beispiel, dass tätowierte Teilnehmende sich zwar keine Gedanken über die Reaktionen anderer auf ihre Tätowierungen machten, dabei jedoch nicht auf Affronts abzielten. Gepiercte und extrem körpermodifizierte Teilnehmende tendierten hingegen eher zu nonkonformistischem Verhalten. So neigten Personen mit Piercings oder extremer Körpermodifikation dazu, sich ganz bewusst über Regeln hinwegzusetzen, um sich von anderen abzugrenzen.

„Des Weiteren wurde beobachtet, dass die Anzahl der Körpermodifikationen mit dem steigenden Bedürfnis nach Einzigartigkeit gleichermaßen bei allen Teilnehmer*innen zunahm“, berichtet die Helmut-Schmidt-Universität. Auch die Bereitschaft einer Person, Überzeugungen öffentlich zu verteidigen, sei bei den Personen mit Körpermodifikationen höher ausgefallen, als in der Kontrollgruppe.

Streben nach Einzigartigkeit ein Persönlichkeitsmerkmal

Der Wunsch, sich von anderen zu unterscheiden, gilt als stabiles Persönlichkeitsmerkmal des Menschen und „gerade in gewissen Situationen, z. B. wenn ein Individuum den Eindruck hat, anderen zu ähnlich oder zu unähnlich zu sein, verstärkt sich die Motivation soziale Konventionen zu verletzen und sich tendenziell nonkonformistisch zu verhalten“, erläutern die Forschenden.

Inwiefern das Bedürfnis nach Einzigartigkeit tatsächlich für den verstärkten Trend zu extremen Körpermodifikationen verantwortlich ist, lässt sich auf Basis der aktuellen Studienergebnisse jedoch nicht abschließend bewerten. Hier wären weitere Studien erforderlich, die mögliche Kausalzusammenhänge gezielt überprüfen. (fp)

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