WHO will Namen der Affenpocken ändern

WHO will Namen der Affenpocken ändern

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will den Affenpocken einen neuen Namen geben. Es gebe seit Langem Bestrebungen, Krankheiten nicht mehr nach Tieren oder Regionen zu benennen, um jeglicher Möglichkeit von Diskriminierung oder Stigmatisierung vorzubeugen, sagte ein WHO-Sprecher am Dienstagabend. Zuvor hatte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf angekündigt, dass es in Kürze eine Entscheidung geben soll.

Wie die britische BBC berichtet, gibt es den Vorschlag, das Affenpocken-Virus in hMPXV umzubenennen.

Der Begriff Affenpocken etwa könne auf eine Herkunft aus Afrika hindeuten, erklärte der WHO-Sprecher. Bis Mai waren das Virus und die Krankheit — beide sollen umbenannt werden — zwar fast ausschließlich aus Afrika bekannt, aber der Name war ohnehin schon irreführend: Das Virus wurde 1958 in Dänemark zwar erstmals bei Affen in einer Versuchsanstalt nachgewiesen. Allerdings dürfte es nach heutigen Erkenntnissen eher unter kleinen Nagetieren verbreitet sein. Die Affen gelten nur als Zwischenwirt.

Affenpocken


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WHO-Notfallausschuss zu Affenpocken am 23. Juni

Beim Auftauchen des Coronavirus Ende 2019 hatte die WHO auch schnell gehandelt, um eine Verbreitung von Namen wie "Wuhan-Virus", benannt nach der chinesischen Stadt, in der es erstmals nachgewiesen wurde, zu verhindern. Am 11. Februar 2020 verkündete die Organisation, dass das neuartige Virus Sars-CoV-2 heißt und die Krankheit, die es auslöst, Covid-19.

Aus Sorge um die zunehmenden Nachweise von Affenpocken in aller Welt hat die WHO für kommende Woche einen Notfallausschuss einberufen. Das Gremium soll entscheiden, ob es sich – wie bei Corona – um eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" (PHEIC) handelt.

Der Notfallausschuss soll am 23. Juni tagen, wie es am Dienstag von der Organisation und dem WHO-Chef hieß. In dieser Art von Ausschuss kommen Fachleute zusammen, die sich mit der jeweiligen Krankheit besonders gut auskennen. Die Erklärung der Notlage ist die höchste Alarmstufe, die die WHO verhängen kann. Eine solche Erklärung hat keine direkten praktischen Folgen, soll aber die Mitgliedsländer wachrütteln. Eine Notlage gilt etwa seit Ende Januar 2020 wegen Sars-CoV-2.

Nach Corona-Alarm bei Hamstern in Hongkong: Auch diese Tiere haben sich mit dem Virus angesteckt

RKI: Gefährdung für die Bevölkerung gering

Der WHO wurden bis Dienstag weltweit mehr als 1600 Fälle von Affenpocken und fast 1500 Verdachtsfälle aus 39 Ländern gemeldet. In 32 dieser Länder gab es vor Mai keine bekannten Fälle. In den anderen sieben Ländern in Afrika grassiert das Virus seit Jahrzehnten. Bislang wurden 72 Todesfälle aus den afrikanischen Ländern gemeldet. Die WHO prüft einen möglichen Todesfall durch Affenpocken aus Brasilien.

Die Sorge der WHO beziehe sich auf drei Bereiche, sagte Tedros: Das Virus verhalte sich ungewöhnlich, es seien immer mehr Länder betroffen und damit sei eine koordinierte Reaktion nötig. Tedros betonte aber, dass die Experten des Notfallausschusses die Problematik betrachten und noch nicht entschieden sei, ob sie das Ausrufen einer Notlage für nötig halten. "Wir wollen nicht warten, bis die Situation außer Kontrolle geraten ist", sagte WHO-Spezialist Ibrahima Socé Fall.

Die Zahl der betroffenen Patienten hierzulande ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) von Dienstag auf knapp 230 gestiegen. Die Risiko-Einschätzung des RKI in Deutschland lautete am Dienstag weiterhin: "Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein."

Unterschiede zwischen Affenpocken und Corona

Der Virologe Gerd Sutter vom Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der LMU München teilte auf Anfrage mit, dass die Zahlen hierzulande "keine Überraschung" und "nicht erschreckend" seien. Die Übertragung des Virus erfolge nach derzeitigem Kenntnisstand, wie erwartet, praktisch nur durch direkten Kontakt. Das Tempo der Ausbreitung beschrieb er als "relativ langsam". Mit der Impfung von Kontaktpersonen beziehungsweise spezifischer Zielgruppen "sollte eine Begrenzung des Ausbruchs weiterhin gut möglich sein", erwartet er.

Es gebe immer noch vereinzelte Übertragungen, "aber der Ausbruch hat eher nicht die Eigenschaft, exponentiell wachsende Fallzahlen zu entwickeln", teilte Timo Ulrichs, Experte für Globale Gesundheit an der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin mit. Eine sexuell übertragbare Infektionserkrankung breite sich langsamer aus als eine, bei der Erreger durch die Luft übertragen werden. Auch andere Experten hatten zuletzt auf viele Unterschiede zwischen Affenpocken und der Corona-Pandemie hingewiesen.

Virusinfektion


Weltgesundheitsorganisation: Pockenimpfung wirkt gut gegen Affenpocken

Deutschland soll Impfdosen erhalten

Das Bundesgesundheitsministerium rechnet für Mittwoch, den 15. Juni mit einer Lieferung von 40.000 Dosen Pockenimpfstoff, der gegen Affenpocken eingesetzt werden kann. Der Bund stelle den Bundesländern das Vakzin zur Verfügung, teilte ein Ministeriumssprecher mit. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte vorige Woche bekanntgegeben, dass das Mittel für bestimmte Gruppen wie Kontaktpersonen von Infizierten empfohlen werde. Der erste Affenpocken-Nachweis überhaupt hierzulande war vor gut drei Wochen bekannt geworden.

Aufgrund der bisherigen Risikolage hält die WHO Massenimpfungen nicht für nötig, wie aus einem technischen Ratgeber vom Dienstag hervorgeht. Die gegen die 1980 ausgerotteten Pocken entwickelten Impfstoffe dürften zwar einen gewissen Schutz vor Affenpocken bieten, aber bisher gebe es kaum Studien dazu. Die WHO rief alle Länder dazu auf, Bestände an Pockenimpfstoffen gerecht mit anderen zu teilen.

Affenpocken gelten verglichen mit den seit 1980 ausgerotteten Pocken als weniger schwere Erkrankung. Experten hatten vor einer Weiterverbreitung des Virus, etwa bei bevorstehenden Festivals und Partys gewarnt. Die Inkubationszeit beträgt laut RKI 5 bis 21 Tage. Die Symptome (darunter zum Beispiel Fieber und Hautausschlag) verschwinden gewöhnlich innerhalb weniger Wochen von selbst, können bei einigen Menschen aber zu medizinischen Komplikationen und in sehr seltenen Fällen auch zum Tod führen.

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